Aus einem Fachinterview einen Artikelentwurf machen
Ein gegliederter Entwurf, in dem getrennt bleibt, was gesagt wurde, was vermutet wurde und was noch freigegeben werden muss.
So läuft es heute
Du hast vierzig Minuten mit einem Entwicklungsleiter gesprochen und zwei Seiten Notizen. Drei Wochen später sollst du daraus einen Artikel machen. Beim Lesen weißt du nicht mehr, was er wörtlich gesagt hat, was du sinngemäß notiert hast und was du dir beim Schreiben selbst zusammengereimt hast.
So gehst du vor
- Deine eigenen Notizen kennzeichnen
Markiere vor allem anderen, was wörtlich gefallen ist, was Gedächtnisnotiz ist und was deine eigene Ergänzung war. Diese fünf Minuten entscheiden über den ganzen Rest.
- Sortieren lassen, nicht schreiben lassen
Lass zuerst trennen: belegte Aussagen, persönliche Einschätzungen, Beispiele, offene Fragen, mögliche Zitate. Erst wenn diese fünf Stapel stimmen, lohnt sich ein Text.
- Den Entwurf mit sichtbaren Lücken verlangen
Unklare Stellen bleiben markiert, statt überbrückt zu werden. Zitate dürfen nur aus Formulierungen entstehen, die tatsächlich in deinen Notizen stehen — nicht aus dem Sinn.
- Zur Freigabe zurückgeben
Jedes Zitat und jede kritische Aussage geht an die interviewte Person, bevor irgendetwas erscheint. Die Liste der offenen Punkte schickst du gleich mit — dann ist es eine Rückfrage statt einer Korrekturschleife.
Warum das überhaupt lohnt
Das Problem bei Fachinterviews ist selten das Schreiben. Es ist die Schwelle davor: zwei Seiten Notizen, aus denen ein Text werden soll, und keine angefangene Struktur. Deshalb bleiben solche Gespräche wochenlang liegen und werden am Ende unter Zeitdruck geschrieben — also genau dann, wenn man am wenigsten prüft.
Was du gewinnst, ist die erste Fassung und, wichtiger, eine Liste offener Punkte, die du sammeln kannst, bevor du die Fachabteilung ein zweites Mal störst. Was du nicht gewinnst, ist die Abstimmung. Die bleibt gleich lang.
So gehst du vor
Trenne zuerst in deinen eigenen Notizen. Wörtlich, sinngemäß, eigene Ergänzung — drei Markierungen. Ohne diese Vorarbeit kann kein Werkzeug wissen, was ein Zitat sein darf, und es wird raten.
Lass dann sortieren, bevor du schreiben lässt. Ein Entwurf aus unsortierten Notizen liest sich gut und mischt alles.
Verlang ausdrücklich, dass Lücken sichtbar bleiben. Ein Text mit vier markierten Stellen ist brauchbar. Ein glatter Text, in dem die vier Lücken zugeschrieben wurden, ist gefährlich.
Was dabei schiefgehen kann
Der schwerste Fehler ist das erfundene Zitat. Es ist auch der, den niemand im Haus bemerkt — nur die interviewte Person, und die liest es dann gedruckt. Prüf deshalb jeden Satz, der in Anführungszeichen steht, gegen deine Notizen. Wenn du ihn dort nicht findest, ist es kein Zitat.
Der zweite Fehler ist die Zuschreibung ohne Anführungszeichen: „Für Berger ist klar, dass…” Auch das legt jemandem eine Meinung bei. Dieselbe Prüfung, dieselbe Regel.
Und der dritte betrifft die Technik: Wenn deine Notizen zwei Themen in einem Absatz haben, verbindet der Entwurf sie gern kausal. Aus „wir haben die Steuerung getauscht” und „seitdem läuft es ruhiger” wird eine Wirkung, die im Gespräch niemand behauptet hat.
Was du dabei hineingeben darfst
Darf rein
Deine eigenen Gesprächsnotizen gehören zu deiner Arbeit und dürfen in ein Werkzeug, für das dein Haus unterschrieben hat — mit Namen. Zwei Dinge sind davon ausgenommen: eine Tonaufnahme oder ein Transkript, in das die Person nicht eingewilligt hat, und der Fall, dass du die Freigabe eures Werkzeugs nicht kennst. Dann erst Namen, Firma und erkennbare Einzelfälle heraus.
Wo es danebenliegt
- Sinngemäße Notizen werden als wörtliches Zitat formuliert. Das ist der Fehler, der einer echten Person Sätze in den Mund legt.
- Zeitliche Abläufe und technische Zusammenhänge werden falsch verbunden, wenn die Notizen sprunghaft sind — und Notizen sind immer sprunghaft.
- Übergänge werden erfunden, damit der Text fließt. Genau in diesen Sätzen steckt dann eine Behauptung, die niemand aufgestellt hat.
- Eine vorsichtige Einschätzung wird zur Aussage des Unternehmens, sobald sie in einem Artikel unter eurem Logo steht.
Womit du das machst
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ChatGPT
Hat euer Haus ein Firmenkonto, darfst du damit arbeiten — mit Vertrag und ohne Training. Free, Go, Plus und Pro bleiben dagegen Privatkonten, auch wenn die Firma die Rechnung zahlt.
Darf rein
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Claude
Hat euer Haus ein Team- oder Enterprise-Konto, darfst du damit arbeiten: mit Vertrag, ohne Training. Free, Pro und Max bleiben Privatkonten, auch wenn die Firma zahlt. Besprechungen mitschreiben kann es nicht.
Darf rein
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DeepSeek
Ein kostenloses Chatfenster aus China, das erstaunlich viel kann. Widersprich zuerst dem Training — danach ja, aber ohne Namen und Beträge: Einen Vertrag mit deinem Arbeitgeber gibt es nicht.
Erst unkenntlich machen
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Gemini
Läuft Gemini über das Google-Workspace-Konto deiner Firma, darfst du damit arbeiten: Vertrag da, kein Training. Free, AI Plus, Pro und Ultra sind Privatkonten — auch wenn die Firma die Rechnung zahlt.
Darf rein
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Microsoft 365 Copilot
Das Chatwerkzeug, das eure eigenen Mails, Dateien und Besprechungen kennt — und mit echten Kundennamen und Zahlen benutzt werden darf. Bestellen muss es die IT, allein bekommst du es nicht.
Darf rein
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Microsoft Copilot
Kostenlos und längst auf deinem Rechner. Mit dem Arbeitskonto angemeldet darfst du Firmenunterlagen hineingeben — und es kostet weiterhin nichts. Mit dem Privatkonto rät Microsoft selbst davon ab.
Darf rein
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Qwen (Qwen Studio, früher Qwen Chat)
Ein kostenloses Chatfenster aus dem Alibaba-Konzern. Es kann viel — für betriebliche Unterlagen fehlt die Grundlage: kein Vertrag, kein Schalter gegen das Training, Verarbeitung in Singapur und China.
Bleibt draußen
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Vibe (früher Le Chat)
Hat euer Haus ein Team- oder Enterprise-Konto, darfst du damit arbeiten: mit Vertrag, Anbieter in Frankreich. Free und Pro bleiben Privatkonten. Heißt seit Kurzem Vibe, nicht mehr Le Chat.
Darf rein
Nach Aktenlage geprüft. Recherche aus Anbieterunterlagen, Verträgen und Dokumentation — ohne eigenen Dauereinsatz.